Fasten wird in der Naturheilkunde als effektives Verfahren angesehen, um Körper, Geist und Seele zu entgiften und neue Energie zu tanken. Die bekannteste Methode ist das Saftfasten nach Buchinger. Während die meisten Fastenden sich damit fit und leistungsfähig fühlen, neigen manche jedoch zu Kreislaufproblemen und sind müde und schlapp. Eine an die Konstitution angepasste Fastenform könnte hier Abhilfe schaffen, denn jeder Mensch ist anders und braucht entsprechend seinem Naturell seine individuelle Fastenart.

„Fasten ist so alt wie die Völker dieser Erde.“ So beginnt Otto Buchinger 1935 sein Buch „Das Heilfasten“, mit dem er das Buchinger-Fasten weltweit bekannt machte. Er war selbst zuvor mit 52 Jahren an einer infektiösen Polyarthritis erkrankt, fastete 18 Tage und konnte sich so vollständig heilen. Er propagierte das Fasten mit Kräutertee, basischer Gemüsebrühe, Wasser und frisch gepressten Säften zur Entlastung und Entsäuerung des Stoffwechsels.
 

Kältetypen brauchen Wärme zum Fasten

Sie wollte nun das Typfasten ausprobieren und entschied sich für das Suppenfasten. Die Kombination von Kartoffeln und Gemüse in den Suppen sorgte für einen konstanten Blutzuckerspiegel und einen stabilen Kreislauf. Die warmen Gemüsesuppen mit wärmenden Gewürzen wie z. B. Ingwer, Kurkuma, Kardamom, schwarzem Pfeffer glichen ihren kalten Stoffwechsel sehr gut aus. So fühlte sich Frau F. die gesamte Fastenzeit ohne Fastenbeschwerden sehr gut. Das Fallbeispiel zeigt, dass man mit der richtigen Fastenart ohne Beschwerden fasten und sich dabei fit und vital fühlen kann. Beim typgerechten Fasten werden, entsprechend dem Naturell des einzelnen, Wärmehaushalt, V erdauungskraft, Konstitution und Stoffwechsel berücksichtigt. Es ist eine Weiterentwicklung der Buchinger-Methode, da hier auch mit warmen Gemüsesuppen oder sonnengereiften Früchten gefastet werden kann. 

Zur Einteilung der Nat urelle bedient man sich der Typologie der traditionellen indischen Heilkunst Ayurveda mit den Typen Vata, Pitta und Kapha (siehe Naturarzt 10/2007: „Typgerechte Er näh - rung: Stier, Gazelle, Haflinger? Helfen Sie Ihrem Naturell!“), die weitgehend den Empfindungs-, Bewegungs- und Ernäh - rungsnaturellen entsprechen, in die der Physiognom Carl Huter (1861–1912) aus Dresden die Menschen einteilte. Das Suppenfasten eignet sich besonders für Empfindungsnaturelle oder Vata-Typen, für ältere und empfindliche Personen, Menschen mit starken MagenDarm-Problemen, Personen mit schwachem Immunsystem, nach Operationen und langer Medikamenteneinnahme sowie für Personen, die leicht frieren und zu Unterzuckerung neigen. Es bietet eine schonende, aber doch sehr effektive Möglichkeit der Entgiftung und Gewichtsabnahme, auch für Menschen, die sonst sehr schlecht abnehmen. Besonders für die kalte Jahreszeit stellt es eine geeignete Fastenform dar.
 

Vata-Typen fasten sanft mit heißen Suppen

Man isst morgens einen Teller Hafercreme-, mittags und abends je ein bis zwei Teller Gemüsesuppe (z. B. Kürbis-, Tomatensuppe) – alles selbst gekocht, nicht aus der Tüte oder Dose. Die Suppen werden schonend zubereitet und püriert. Die ganze Vielfalt der Natur fördert hierbei die Entgiftung, da rotes, grünes und gelbes Gemüse alle sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, Enzyme, Mineralien und V itamine enthält. Durch die Suppen wird dem Fastenden Wärme und etwas Substanz zugeführt. Grundsätzlich sollte beim Fasten darauf geachtet werden, dass der Wärmehaushalt nicht zu stark gestört wird. Menschen, die während der Fastenzeit frieren, können nicht effektiv entgiften. Der Stoffwechsel benötigt immer 37 °C Körpertemperatur, um seine Stoffwechsel - abläufe optimal zu regulieren. Kranke Menschen mit einem schwachen Darm frieren leicht, so dass bei ihnen wärmende Suppen angezeigt sind. Unterstützt werden sollte das Fasten zudem durch andere erwärmende Maßnahmen wie Tee (z. B. Ingwer- und Y ogi-Tee), Fußbäder, Sauna, warme Kleidung etc.

Beim Früchtefasten werden wasserund enzymhaltige Obst- und GemüseFrüchte roh verzehrt, um den Körper optimal zu entgiften. Dabei isst man morgens und mittags Obst, z. B. Melonen, Trauben, Mango, Papaya, Ananas, Orangen, Zitronen, Grapefruit, Äpfel, Birnen, Bananen, und abends Gemüsefrüchte, z. B. Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini, frische Kräuter , Wildkräuter mit Avocado-Dip – und zwar jeweils soviel bis man satt ist. Zwischenmahlzeiten sind erlaubt. Die Früchte müssen gut gekaut werden.
 

Früchte für Pitta-Typen mit starker Verdauungskraft

Die Methode eignet sich sehr gut für mittelgroße bis große Personen mit einem sportlichen, muskulösen Körperbau (Bewegungs-Naturelle oder PittaTypen), für Menschen mit stabilem Magen-Darm-Trakt und „innerer Hitze“. Sie ist auch ein idealer Einstieg in das Fasten oder für Menschen, die zwar ihren Körper entsäuern, aber auf „Essen“ nicht verzichten möchten. Eine starke Verdauungskraft, d. h. Verdauungssäfte von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse in ausreichender Menge, sollte zur V erarbeitung der Früchte vorhanden sein. Für Personen mit massiven Dünndarmproblemen (Durchfall, Allergien, Lebensmittel-Unverträglichkeiten, Blähungen etc.) eignet sich das Früchtefasten nicht. Das Saftfasten mit frisch gepressten Säften, Kräutertees, frischer Gemüsebrühe und Quellwasser eignet sich für sogenannte Kapha-Typen oder Ernährungsnaturelle, die gerne ein paar Kilos verlieren möchten und grundsätzlich auch längere Zeit auf Essen verzichten können. Ihnen fällt es nicht schwer, tags - über eine Mahlzeit ausfallen zu lassen, sie bekommen dann weder Kreislaufprobleme noch starken Hunger. 
 

Kapha-Typen fühlen sich mit Säften fit und vital

Saftfasten eignet sich hervorragend als Gesundheitsprophylaxe für Menschen, die sich fit und vital fühlen. Ebenso zur Revitalisierung von Übersäuerungskrankheiten, für Personen mit normalem oder starkem Körperbau sowie mit Übergewicht. Menschen, die von ihrer Grundkonstitution kräftig und vital sind, bringen durch dieses Entgiftungsverfahren ihren Körper ohne Probleme wieder „in ihre Mitte“.